Österreichs Städte haben eine Mission! Unter dem Motto „Klimaneutrale Stadt“ rüsten sich Klein-, Mittel- und auch Großstädte im ganzen Land für die Zukunft. Die Ziele: Klimaneutralität bis 2040, CO2-Emissionsreduktion, sichere Versorgung, mehr Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt, Gesundheit und Wirtschaftswachstum.
Städte sind nicht nur die wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Motoren unserer Welt. Sie sind auch unverzichtbare Player, wenn es um das Erreichen der Klimaziele geht, denn global gesehen entstehen rund 75 % der CO2-Emissionen in Städten und hier werden ca. 78 % der Energie verbraucht. Durch die Planung und Umsetzung klimarelevanter Maßnahmen und Projekte haben unsere Ballungsräume sehr großen Einfluss im Kampf gegen den Klimawandel.
Großer Zuwachs an Mitstreiterinnen. Den Anfang machten 2022 und 2023 zehn österreichische Pionier-Großstädte (mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner), die den Weg zur Klimaneutralität bis 2040 einschlugen, danach folgten zahlreiche Mittel- und Kleinstädte (10.000 bis 50.000 Einwohnerinnen und Einwohner). Mittlerweile sind es 47 Pionierstädte, 13 davon aus Niederösterreich. Sie gehen gemeinsam voran und entwickeln praxistaugliche, klimawirksame Lösungen für die Energie- und Mobilitätswende sowie die Kreislaufwirtschaft, die rasch umgesetzt und verbreitet werden sollen. Es gilt bis 2040 klimaneutral zu werden und diese Städte haben eine wichtige Vorbildwirkung. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI vormals BMK) fördert gemeinsam mit dem Klima- und Energiefonds im Rahmen der Mission „Klimaneutrale Stadt“ Projekte und die Entwicklung von Innovationen.
Dialogforum. Im November 2025 wurde das Engagement der teilnehmenden Städte belohnt. Das Motto dieser Veranstaltung in Innsbruck lautete „Gemeinsam erfolgreiche Wege weitergehen“ – Zukunftsthemen wie nachhaltige Mobilität, erneuerbare Energie, Quartiersentwicklung und auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger standen im Fokus. Die innovativen teilnehmenden Stadtgemeinden wurden ausgezeichnet. Die Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) begleitete als Projektpartnerin die Stadtgemeinden Zwettl, Amstetten, Klosterneuburg, Schwechat und Ternitz bei ihren Tätigkeiten im Rahmen der Mission „Klimaneutrale Stadt“. Die in der eNu vorhandene Expertise floss in die Erstellung der Klimaneutralitätsfahrpläne ein. Diese beinhalten Lösungen und Handlungsempfehlungen, um lokale Emissionen zu senken und die Klimaziele möglichst rasch zu erreichen.
Das Motto beim Dialogforum 2025 lautete „Gemeinsam erfolgreiche Wege weitergehen“.
Ein Gewinn für alle. Ein wichtiger Hebel für die Pionier-Großstädte ist häufig die Schaffung klimaneutraler Stadtquartiere. Diese tragen nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern bringen auch viele Vorteile für die Bewohnerinnen und Bewohner.
Wissen teilen. Die Pionierstädte setzen nun verstärkt Maßnahmen in den Bereichen Energie, Gebäude, Mobilität und Klimawandelanpassung, um bis 2040 klimaneutral zu werden. Schon jetzt verfügen sie über Wissen und funktionierende Strategien und Maßnahmen. Durch die Mission „Klimaneutrale Stadt“ und Veranstaltungen wie das Dialogforum gibt es ausreichend Möglichkeiten sich zu vernetzen, Know-How und Erfahrungen auszutauschen und so voneinander zu lernen.
Ausgewähltes. In Stockerau begann kürzlich der Bau einer neuen Bike&Ride-Anlage am Bahnhof: Die überdachten Fahrradplätze werden auf 410 ausgebaut und zusätzlich entstehen sieben Mofa-Plätze. Ternitz erarbeitet einen Entsiegelungskataster mit Ampelsystem und erfasst öffentlich versiegelte Flächen, bewertet sie und priorisiert ihr Entsiegelungspotenzial. Ziel ist, eine strategische Planung von Entsiegelungsmaßnahmen zu ermöglichen. Die Landeshauptstadt St. Pölten hat u. a. eine Energiegenossenschaft gegründet, die Bürger-Energiegemeinschaften unterstützt und der neue Promenadenring „Green Loop“ ist ebenfalls in Arbeit. In Klosterneuburg entsteht mit dem neuen Wirtschaftshof ein klimaneutrales Vorzeigeprojekt. Das Gebäude wird nach modernsten Standards errichtet, die Wärmegewinnung erfolgt über das Donaugrundwasser, und die geplante PV-Anlage liefert über eine Million Kilowattstunden saubere Energie pro Jahr. Krems definiert im Konzeptpapier „Krems im Kreislauf“ die städtische Kreislaufwirtschaftsstrategie und verankert konkrete Maßnahmen. Pilotprojekte im Gebäudesektor erproben zirkuläre Prinzipien praxisnah und schaffen eine skalierbare, übertragbare Grundlage für ressourcenschonendes Bauen und Sanieren. Auch die Pionierstadt Wiener Neustadt konnte die städtische Energiewende weiter vorantreiben. So wurde eine großflächige Freiflächen-Photovoltaikanlage auf einer ehemaligen Gleisschotterdeponie errichtet. Zusätzlich wurden die Stellplätze der Aqua Nova mit einem PV-Carport ausgestattet.
Das war aber noch lange nicht alles. In Schwechat wird eine Wissensbasis geschaffen, um einen ganzheitlichen Transformationsansatz für das Rathausquartier 2040 zu entwickeln: Damit wird ein umfassender Fahrplan erstellt, der die Dimensionen Energie, Mobilität, Gebäude, öffentliche Räume und soziale Strukturen integriert. Außerdem organisiert die Stadtgemeinde Austauschtreffen – den Schwechater Unternehmensstammtisch – zu Themen der Klimaneutralität. In Baden ist das erste energieautarke Abwasserpumpwerk in Betrieb gegangen, welches sogar ausfallssicher ist. Durch eine am Nebengebäude installierte PV-Anlage und einen errichteten Stromspeicher läuft es sogar bei Stromausfall weiter. In Amstetten sind 2026 mit den Stadtwerken vier neue PV-Großprojekte und der Ausbau des Fernwärmenetzes geplant, 2025 wurde u. a. ein großer E-Ladepark sowie ein zwei MWh Batteriespeicher beim Wasserkraftwerk umgesetzt. Aber auch die Renaturierung der Url und die Pläne zum klimaneutralen Neubau des Stadtteils Krautberg können sich sehen lassen. Die 100 %-Tochter der Stadt Tulln, die TullnEnergie, plant die Errichtung eines fünf MWh Batteriespeichers in Kombination mit einer 750 kWp PV-Anlage beim Wasserwerk I in Tulln. In Mödling werden u. a. viele kommunale Gebäude auf LED-Innenbeleuchtung umgerüstet, die PV-Anlagen weiter ausgebaut und das Radverkehrsnetz weiter verbessert. Die Stadtgemeinde Mistelbach verfügt mit Stand Januar 2026 bereits über 29 PV-Anlagen auf Gemeindegebäuden mit einer Leistung von 1.240 Megawattstunden und baut diese weiter aus, auch die weiteren Maßnahmen aus dem Klimaneutralitätsfahrplan werden umgesetzt und dienen Privatpersonen als Orientierung. In Zwettl gelang es im November 2025 fraktionsübergreifend, einen Maßnahmenplan mit breiter Mehrheit im Gemeinderat zu beschließen: Eine Klima-Ansprechperson in der Stadtverwaltung als zentrale Anlaufstelle wurde bereits geschaffen.
© 2026 Amt der NÖ Landesregierung