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Der NÖ Weg zur Klimaanpassung mithilfe der Natur

 

Was verbindet eine Hecke, ein begrüntes Dach und ein Rückhaltebecken? Alle drei Gestaltungselemente können uns bei extremen Ereignissen wie Hochwasser, Hitzewellen und Dürre schützen – nämlich dort, wo wir wohnen, arbeiten und ernten. Stadt, Land und Betriebsgebiete werden derzeit im NÖ-Teil des EU-HORIZON-Projekts „ARCADIA“ unter die Lupe genommen.

 

Naturbasierte Lösungen – Maßnahmen, die natürliche Prozesse nutzen, sind kosteneffizient und bieten ökologische, soziale und wirtschaftliche Vorteile. Sie tragen dazu bei, unsere Gemeinden, Städte und Regionen widerstandsfähiger zu machen und somit unsere Lebensqualität zu erhalten und zu steigern. Wie naturbasierte Lösungen tatsächlich und konkret funktionieren, untersucht das aktuelle EU-HORIZON-Projekt „ARCADIA“ in fünf EU-Regionen, eine davon Niederösterreich. Jede Region führt mindestens drei Pilotprojekte, sogenannte Co-Innovation-Labs, durch. Bei uns wird die Zukunft mittels der folgenden „Labs“ gestaltet. 


„Lab Wagram“: Zukunftsfitte Flurplanung. Im Projektgebiet Wagram beschäftigt man sich mit der Frage, wie mit Situationen umzugehen ist, in denen aufgrund von Starkregen bzw. Trockenheit entweder zu viel oder zu wenig Wasser in der Landschaft vorhanden ist. Da der Schwerpunkt hier auf der Landwirtschaft liegt, arbeitet die NÖ Agrarbezirksbehörde (ABB) federführend mit Vertretenden der Region, Besitzenden von Grundstücken, Bewirtschaftenden und Interessensvertretungen an einer zukunftsfitten Flurplanung. Ziel ist es, die Infrastruktur für die Landwirtschaft so zu gestalten, dass die Flächen gut bewirtschaftbar und erreichbar sind, die Biodiversität gefördert wird und der ländliche Raum gleichzeitig widerstandsfähiger gegenüber Witterungsbedingungen wird. Aufbauend auf den Ergebnissen eines Flurplanungsprozesses

 

Neu gepflanzte Hecken bilden ein Biotopnetzwerk für Wildtiere, Vögel & Nützlinge.


in der Gemeinde Absdorf werden mehrreihige Mehrnutzenhecken gepflanzt. Diese bestehen aus etwa 20 verschiedenen Baum- und Straucharten, darunter Wildobst, begleitet von einem Biodiversitätsstreifen. Erstmalig wird auch eine der Mehrnutzenhecken auf Kirchengrund gepflanzt. Da die Hecke den wertvollen Boden vor Winderosion schützt und durch die Reduktion der Verdunstung den Bedarf für Bewässerung wesentlich vermindert, profitieren sowohl die Landwirtschaft als auch die Kirche als Grundbesitzerin davon. 


Standortattraktivität und Aufenthaltsqualität sollen gesteigert werden.

 

„Lab Wolkersdorf“: Hier fokussiert man sich auf Betriebsgebiete am Beispiel des ecoplus-Wirtschaftsparks Wolkersdorf im Weinviertel. Dort hat die NÖ Wirtschaftsagentur zahlreiche Maßnahmen zur Anpassung an Extremereignisse sukzessiv umgesetzt, z. B. ein Kaskadensystem aus naturnahen Rückhaltebecken gegen Starkregen oder einen Windschutzgürtel aus Hecken. Wolkersdorf dient somit als Paradebeispiel, um über potenzielle Maßnahmen zu diskutieren, die Wirtschaftsparks klimafitter machen. Voraussetzung dafür ist, dass Arbeitgebende sowie Arbeitnehmende, Parkbetreibende und Gemeinden am gleichen Strang ziehen. Entscheidend ist, alle Faktoren zu erkennen, die naturbasierte Lösungen ermöglichen – oder sie verhindern. Dazu zählen insbesondere Finanzierungsmodelle und das Zusammenspiel von öffentlichen Förderungen und privaten Investitionen.

 

Wo und wie eignen sich Beschattung und Begrünung im öffentlichen Raum?

 
Grafik zu Amstetten

Entschärfung urbaner Hitzeinseln in Amstetten.

 

„Lab Amstetten“ & urbane Hitzeinseln. Zunehmende Hitzeperioden betreffen immer mehr Menschen, insbesondere im städtischen Raum. Daher wird das Thema im Zuge von ARCADIA exemplarisch in der Stadt Amstetten in den Mittelpunkt gerückt. Gemeinsam mit der Stadtregierung und der Stadtverwaltung werden passende Maßnahmen diskutiert. Unter der Koordination von „Natur im Garten“ wird die Bevölkerung durch zahlreiche Aktivitäten eingebunden. Gleichzeitig wird Fachpersonal durch Tagungen und Exkursionen geschult, ausgebildet und beraten. Im Fokus steht die Frage, welche Beschattungs- oder Begrünungsmaßnahmen im öffentlichen Raum, aber auch auf Hausfassaden, Dächern oder in Innenhöfen am geeignetsten sind, damit sich die Umgebung an Sommertagen nicht zu stark erhitzt. Ebenso wird betrachtet, wie Regenwasser bestmöglich genutzt werden kann, indem es langsam versickert und so zur Senkung der Oberflächentemperatur beiträgt, statt rasch über versiegelte Flächen abzufließen.

 

Hürden, Hebel & Klimarisikoanalysen. Durch die in den „Labs“ erarbeiteten Maßnahmen sollen Hürden und Hebel identifiziert werden, die die Verbreitung naturbasierter Lösungen erschweren oder ermöglichen. Dabei ist es wesentlich, die Wirksamkeit dieser Maßnahmen genau zu untersuchen. Deswegen führt das meteorologische Institut „GeoSphere Austria“ Klimarisikoanalysen in allen Labs durch. Diese basieren auf zuvor identifizierten Gefährdungen durch Extremwetterereignisse, der besonderen Betroffenheit bestimmter Bevölkerungsgruppen sowie der Exposition von Menschen und Infrastruktur. Außerdem werden Bodenerosionskarten für ganz NÖ erstellt, und Amstetten bekommt eine maßgeschneiderte Stadtklimaanalyse.

 

Alle mitnehmen. Ebenso wichtig für die Erreichung der Projektziele ist es, die Akzeptanz der Maßnahmen zu sichern und weiter zu steigern. Dabei spielt die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden eine wesentliche Rolle. Aus diesem Grund arbeitet die Energie- und Umweltagentur NÖ (eNu) im ARCADIA Projekt als Schnittstelle zum Netzwerk der Klimawandelanpassungsregionen „KLAR!“. Die KLAR!-Regionen wurden in die Umsetzung der „Labs“ eingebunden, insbesondere in den Labs Wagram und Wolkersdorf. Die Gesamtkoordination des NÖ Konsortiums liegt bei der Landesabteilung Umwelt- und Energiewirtschaft, die auch einen intensiven Austausch mit den internationalen Partnern sicherstellt. Insgesamt besteht das ARCADIA-Konsortium aus 42 Partnern, die das Projekt zwischen 2024 und 2028 abwickeln.

 

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Dr. Alexis Sancho-Reinoso, Land NÖ, Abteilung Umwelt- und Energiewirtschaft 

noe.gv.at/klima


 
 

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