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Die Zukunft des Waldes entscheidet sich jetzt.

 

Die Anpassung des Waldes an den Klimawandel ist keine kurzfristige Aufgabe. Sie erfordert Wissen, Erfahrung und Zusammenarbeit. Initiativen wie die KLAR! Wachau-Dunkelsteinerwald-Jauerling zeigen, wie regionale Ansätze dazu beitragen können, Forschung, Beratung und Praxis zu verbinden.

 

Ein Blick auf die Zahlen macht das deutlich: In der Klimawandelanpassungsregion KLAR! Wachau-Dunkelsteinerwald-Jauerling lag die mittlere Jahrestemperatur zwischen 1971 und 2000 noch bei 8,5 °C. Messdaten von Geosphere Austria zeigen jedoch einen klaren Anstieg: Im Jahr 2020 wurden bereits 10,4 °C erreicht, also um 1,9 °C mehr als im langjährigen Mittel. Ohne konsequenten Klimaschutz ist bis zum Ende des Jahrhunderts ein weiterer Temperaturanstieg von bis zu 4 °C zu erwarten. Die Folgen sind auch in der Region deutlich spürbar, in einer Landschaft, in der mehr als die Hälfte der Fläche von Wald bedeckt ist. 

Der Wald unter Stress. Die Herausforderungen sind vielfältig. Hitze und Trockenheit schwächen die Bäume, gleichzeitig nehmen Schäden durch Stürme, Schneedruck oder Hagel zu. Auch Schädlinge und Krankheiten breiten sich stärker aus – etwa der Borkenkäfer oder das Eschentriebsterben. Für Waldbesitzende bedeutet das steigende Kosten, unsichere Erträge und einen erhöhten Arbeitsaufwand, für die Allgemeinheit den Verlust der Waldfunktionen wie der Nutz-, Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungswirkung.  

Wasserhaushalt. Hinzu kommt eine oft unterschätzte Entwicklung: Der Wasserhaushalt verändert sich. Verdichtete Böden, Forststraßen oder Rückegassen im Wald können dazu führen, dass Niederschläge nicht mehr ausreichend versickern. Stattdessen fließt Wasser rasch oberflächlich ab, mit Folgen bis hin zu lokalen Überflutungen. Besonders deutlich wurde das zuletzt im Jahr 2024 rund um Melk: Ein Starkregenereignis ließ Bäche wie die Pielach innerhalb kürzester Zeit anschwellen und verursachte massive Schäden in den Siedlungen. 

 

Die Baumartenampel bietet Ersteinschätzung für standortangepasste Baumartenwahl.

 
Sickerungsgrube im Wald

Sickerungsmulden und Versickerungsgräben halten das Wasser im Wald. 

 

Vielfalt als Schlüssel. Wie kann der Wald auf diese Veränderungen reagieren? Die Antwort liegt in einer aktiven, vorausschauenden Bewirtschaftung. Ziel ist es, stabile und widerstandsfähige Mischwälder zu schaffen. Unterschiedliche Baumarten erhöhen die Anpassungsfähigkeit und verteilen Risiken. Ergänzend spielen standortangepasste Baumarten, Naturverjüngung und gezielte Pflege eine wichtige Rolle. Auch Durchforstung, Jungbestandspflege und Läuterung (Stammzahlreduktion) sowie Zurückdrängung von invasiven Arten tragen dazu bei, die Stabilität zu erhöhen. Unterstützung bieten Instrumente wie die Baumartenampel, die eine erste Einschätzung ermöglicht, auf welche Baumarten in Zukunft gesetzt werden soll, oder neue Ansätze wie die dynamische Waldtypisierung. Diese bietet konkrete Empfehlungen für eine standortangepasste Baumartenwahl unter dem Aspekt des Klimawandels.

 

Wissen, das ankommt. Damit diese Maßnahmen Wirkung zeigen, müssen sie auch umgesetzt werden. Neben der Forstberatung durch Landwirtschaftskammer und Bezirksforstinspektionen (BFI) setzt die KLAR! Region Wachau-Dunkelsteinerwald-Jauerling auf niederschwellige Angebote, um insbesondere Hof ferne (Klein)waldbesitzerinnen und -besitzer zu erreichen.

Auch die Bewusstseinsbildung beginnt früh: Mit Schulen werden Aufforstungsprojekte umgesetzt und gemeinsam mit dem Naturpark Jauerling-Wachau Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche entwickelt und angeboten. Ziel ist es, den Wald als dynamisches System und als Lebensraum verständlich zu machen.

 

Gesunde Waldböden und Sickerungsmulden sind die Grundlage für den Wald der Zukunft.

 

Know-how beim Waldgespräch. Wie wichtig intakte Wälder für den Wasserhaushalt sind, zeigte das Waldgespräch im März 2026 in Melk in Kooperation mit dem Forstamt des Stiftes Melk. Im Mittelpunkt stand der Wasserrückhalt. Ein Thema, das angesichts zunehmender Extremwetterereignisse an Bedeutung gewinnt. Fachleute aus Forschung und Praxis von der BOKU Wien bis zu den lokalen Vertretern von Bezirksbauernkammer und BFI machten deutlich: Gesunde Waldböden sind entscheidend. Sie können Wasser aufnehmen, speichern und zeitverzögert abgeben, verdichtete Böden hingegen verlieren diese Fähigkeit. Auch scheinbar kleine Strukturen im Wald spielen eine große Rolle. Wege oder Rückegassen können den Wasserabfluss beeinflussen. Gleichzeitig zeigen Beispiele, dass bereits einfache Maßnahmen Wirkung haben. Mulden und Tümpel, kleine Rückhaltebecken, das Ersetzen von Rohrdurchlässen durch Rigolen (Auffangbecken unter der Geländeoberfläche) oder Furten, Kleinrückhaltebecken an Wegen, Versickerungsgräben, Verdunstungs- und Sickerungsmulden helfen, das Regenwasser durch langsames Versickern im Wald zu halten. 

Den Boden im Blick behalten. Ein weiterer Schwerpunkt des Waldgesprächs mit einer Exkursion auf den Hiesberg lag auf der Holzernte. Durch mildere Winter finden Eingriffe immer häufiger auf nassen und nicht gefrorenen Böden statt. Das erhöht das Risiko von Bodenverdichtungen, die über Jahrzehnte bestehen bleiben und langfristig die Bodenfunktionen beeinträchtigen können. Technische Anpassungen wie der Einsatz von Bändern, alternative Erntemethoden mit Mastseilgeräten und kleinere technische Maßnahmen in den Rückegassen nach der Holzernte können helfen, den Boden zu schützen und seine wichtige Funktion im Wasserhaushalt zu erhalten. Abgerundet wurde die Exkursion durch die Demonstration ferngesteuerter Mulcher mit Kettenlaufwerk sowie eines Mastseilgeräts als bodenschonendes Erntesystem.

 

Michael Tanzer, MA, KLAR! Region Wachau-Dunkelsteinerwald-Jauerling

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