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Klimafitte Bebauungspläne braucht das Land.

 

Städte und Gemeinden stehen zunehmend vor der Aufgabe, ihre Siedlungsentwicklung an veränderte Klimabedingungen anzupassen. Parallel dazu gilt es Wachstum zu ermöglichen, Lebensqualität zu erhalten und mit dem Druck auf verfügbare Flächen verantwortungsvoll umzugehen. 

 

Gemeinden und Städte haben als Entscheidungstragende in der örtlichen Raumplanung die Aufgabe vorausschauend zu agieren und effektive Maßnahmen zur Klimawandelanpassung umzusetzen. Das zentrale Instrument, um Gemeinden widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel zu machen, ist der sogenannte Bebauungsplan. Er legt fest, wie Grundstücke genutzt und bebaut werden dürfen. Er regelt welche Nutzungen zulässig sind, wie dicht gebaut werden darf, wo Gebäude stehen können oder welche Flächen als Freiraum vorgesehen sind. Der Bebauungsplan wird auf Grundlage des Flächenwidmungsplans durch den Gemeinderat erstellt. So wird also das Erscheinungsbild des Ortes ebenso langfristig geprägt wie dessen Funktionsfähigkeit.

 

Es grünt so grün. Klimafitte Bebauungspläne können einen Beitrag leisten, dass Siedlungsräume besser mit Hitze und anderen klimatischen Herausforderungen zurechtkommen. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Begrünung zu. Bäume und Grünflächen sowie begrünte Dächer und Fassaden beeinflussen das Mikroklima positiv, reduzieren Hitze und speichern Wasser. Zudem sind sie Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und erhöhen die Aufenthaltsqualität in Dörfern und Städten. 


 
So geht Zukunft: Gemeinden gestalten Parkflächen klimafit – mit Grünstreifen, die kühlen, versickern und beleben.

So geht Zukunft: Gemeinden gestalten Parkflächen klimafit – mit Grünstreifen, die kühlen, versickern und beleben.

 

Durchlässig ist gut! Die Tatsache, dass versiegelte Flächen die Versickerung von Regenwasser nicht gewährleisten können und auch Hitzeeffekte verstärken, rücken den bewussten Umgang mit der Ressource Boden in den Fokus. Klimafitte Bebauungsvorschriften setzen verstärkt auf durchlässige Oberflächen, ausreichend Grün- und Freiflächen und einen sorgsamen Umgang mit Boden. 


Wasser marsch? Mit dem Boden eng verbunden ist auch das Regenwassermanagement. Ziel ist es, die Niederschläge möglichst dort zu halten, wo sie fallen. Das gelingt durch Versickerungsflächen, begrünte Mulden oder durchlässig gestaltete PKW-Stellplätze. 

 

Der neue Leitfaden „Klimafitte Bebauungsvorschriften für NÖ Gemeinden“ ist kostenlos erhältlich.

 

Neuer Leitfaden. Um den Gemeinden bei der Erarbeitung klimafitter Bebauungspläne zu helfen, gibt es einen neuen Leitfaden der Energie- und Umweltagentur NÖ. Er zeigt auf, wie Bebauungspläne innerhalb bestehender gesetzlicher Möglichkeiten klimafit ausgestaltet werden können und welche konkreten Maßnahmen sich rechtssicher verankern lassen. Neben rechtlichen Grundlagen enthält er praxisnahe Beispiele aus Gemeinden, konkrete Formulierungsvorschläge für Bebauungsvorschriften sowie Hinweise zu Themen wie Begrünung, Versiegelung, Versickerung oder dem Umgang mit Hochwassergefährdung. Der Leitfaden liefert praktische Instrumente, um Siedlungsentwicklung, Ortsbild und Sicherheit zu verknüpfen und verlässliche Rahmenbedingungen für Bauvorhaben zu schaffen. Denn klimafitte Raumplanung kann entscheidend dazu beitragen, dass Städte und Gemeinden auch künftig sicher, lebenswert und wirtschaftlich stark bleiben.

 

Die guten Lösungen sind die einfachen. 

DIin Dr.in Christine Rottenbacher (C. R.)vom Zentrum für Klimaresilienz und Transformation des Gebäudebestands der Universität für Weiterbildung Krems hat ein Instrument zur Optimierung von Ökosystemfunktionen in Siedlungsräumen entwickelt.

 

Umwelt & Energie: Frau Rottenbacher, welche natürlichen Prozesse ermöglichen eine Klimaregulation und Kühlung unserer Lebensräume?

C. R: Lebensräume sind unterschiedlich gut ausgestattet, um das Zusammenspiel von gesunden Boden-, Wasser- und Pflanzensystemen und des Strahlungshaushaltes zu erhalten. Neben CO2 spielen dabei Verdunstung, Wasserspeicherung im Boden, Bodenbedeckungen, Versickerung und die kühlende und beschattende Wirkung von Pflanzen und Baumkronen eine wichtige Rolle.

Dieser Ansatz trägt der Erkenntnis Rechnung, dass rein auf CO2 fokussierte Kennzahlen oft nicht ausreichen, um lokale Klimaeffekte, Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und Rückkopplungen im Landschaftssystem realistisch abzubilden – Aspekte, die für Ökosystemleistungen und das menschliche Wohlbefinden entscheidend sind. Konkret nützen wir das Konzept des Boden-Pflanze-Atmosphäre-Kontinuums (SPAC). Es beschreibt den Weg, auf dem Wasser vom Boden über die Pflanzen in die Atmosphäre gelangt. Dabei verbindet es Bodenstruktur und Wasserverfügbarkeit mit den Eigenschaften der Vegetation, z. B. Verdunstung und Kronenstruktur verschiedener Pflanzengesellschaften halten Regenwasser zurück, kühlen die jeweiligen Landoberflächen und regulieren den Energieaustausch mit der Atmosphäre. So lässt sich Klimaregulation als standort-spezifischer, vielfältiger Ökosystemprozess erfassen – eine wichtige Grundlage für Renaturierung und eine anpassungsfähige Boden- und Landnutzungsplanung, die mehrere Aspekte sektorenübergreifend miteinander verbinden kann. So können Entscheidungsfindungen gesamtheitlicher strukturiert werden und die zugrundeliegenden natürlichen Prozesse als gemeinsame Basis einer Klimaregulation und Versorgungssicherheit auch in Verbindung mit einer Biodiversitätssicherung in allen Lebensräumen betrachtet werden.

 

U & E: Das von Ihnen entwickelte Tool zur Klimarelevanz von Siedlungsräumen – können Sie es uns kurz erklären?

C. R: Es werden sichtbare Ausstattungen, wie Oberflächenbeschaffenheit, Planzengemeinschaften, Böden und Pflegemaßnahmen erfasst und danach die Kapazität des jeweiligen Raumes beurteilt, lokal klimaregulierend wirksam sein zu können. Durch die Verbindung von Messungen mit Wärmebildkameras mit Satellitendatenmodellierungen können vulnerable Bereiche identifiziert und die Effekte von möglichen Kühlungsmaßnahmen in weiteren Modellierungen berechnet werden.

 

U & E: Wie können Gemeinden dieses Tool verwenden?

C. R: Wir haben mehrere Tools erarbeitet. Das erste wurde in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt für das Projekt ÖKOLEITA erarbeitet und ist mit der niederösterreichweiten Erfassung von Ökosystemleistungen abgestimmt. So kann z. B. ein Bezirk ausgewählte und verortete Ökoystemleistungen zur Klimaregulation mit Versorgungssicherheit und Biodiversitätssicherung verbinden. Bei einem gemeinsamen Lokalaugenschein werden konkrete Situationen mit Hilfe eines Fächers erfasst, um gemeinsam mögliche Adaptierungsschritte zu identifizieren. Ein weiteres Instrument wurde für die NÖ Wirtschaftskammer erarbeitet und fokussiert auf Effekte von Entsiegelung und Ökologisierung von Betriebsstandorten. Es kann auch generell für Siedlungsräume angewandt werden.

Auf unserer Webseite stehen kurze Lehrvideos bereit, alle Unterlagen zu den Instrumenten sind frei verfügbar und wir bieten auch gerne Workshops zur Anwendung an.

 

Kontakt: christine@rottenbacher.at

 

Silvia Osterkorn-Lederer, Elke Papouschek, Redaktion

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biodiversityatlas.at/ecosystem-services

donau-uni.ac.at (Suche: GREENergy und ÖKOLEITA)

 

Klimafitte Angebote:

Mit den Klimafit-Angeboten unterstützt das Land NÖ Gemeinden bei der Klimaanpassung: Neben der Ausstellung Klima & ich, der BodenWasserKlimabox für Bewusstseinsbildung können auch Fachvorträge und der Vorsorgecheck Naturgefahren gebucht werden. Neu ist die Klimafit-Beratung, die Gemeinden individuell begleitet und praxisnahe Lösungen für Hitze, Starkregen und Freiraumgestaltung entwickelt.

 
 

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