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Landwirtschaft im Wandel

 

Hitze, Trockenheit und Extremwetter stellen die Landwirtschaft vor enorme Herausforderungen. Wasser wird knapper, die Fruchtbarkeit der Böden leidet, Pflanzen geraten unter Stress. In NÖ zeigt sich bereits heute, wie unterschiedlich die Regionen von Klimaveränderungen betroffen sind und warum Anpassung längst kein Zukunftsthema mehr ist. Doch was bedeutet das für Lebensmittelproduktion und Ernährungssicherheit?

 

Langfristige Beobachtungsreihen machen klar: Unser Klima ändert sich. So zeigt beispielsweise das Klimamonitoring der GeoSphere Austria deutlich, dass sich Temperaturen, Niederschlag und auch Sonnenscheindauer hierzulande bereits verändert haben und das auch weiterhin tun werden. Beim Klimamonitoring werden aktuelle Klimadaten mit einem definierten Referenzzeitraum verglichen. Dadurch wird sichtbar, dass sich die klimatischen Bedingungen verschieben. Solche Auswertungen bilden eine wichtige Basis, um Entwicklungen verstehen und zukünftige Herausforderungen einschätzen zu können. Sie sind also die Grundlage für Anpassungsmaßnahmen. Das Klimamonitoring der GeoSphere Austria zeigt seit 1961 klare Trends: Die Temperaturen steigen überdurchschnittlich, Hitzetage häufen sich, die Vegetationsperiode verlängert sich. Gleichzeitig nimmt die Sonnenscheindauer zu – das verstärkt die Verdunstung.

 

Das Klimamonitoring von GeoSphere Austria liefert tagesaktuelle Infos zum Zustand unseres Klimas.

 
Sojabohnen

Sojabohnen werden mittlerweile auch in NÖ angebaut. Relativ neu ist: Durch die Behandlung mit natürlichen Bakterien – also keine Gentechnik – kommen sie besser mit schlechteren Böden zurecht.

 

Niederschlag. Eine weitere Komponente, die sich verändert, ist der Niederschlag. Nicht nur die Gesamtmenge, sondern die zeitliche Verteilung werden gemessen. Die Beobachtungen machen klar, dass Niederschläge sich stärker in die kühlere Jahreszeit verschieben, und in den wärmeren Monaten häufig längere Trockenperioden verzeichnet werden. Auch die Zahl von intensiven Niederschlagsereignissen innerhalb kurzer Zeiträume nimmt zu. Die Niederschlagsmengen können dann zum Teil von den Böden gar nicht aufgenommen werden. In diesem Fall fließt das Wasser oberflächlich ab und fehlt letztlich den Pflanzen. Durch die Kombination aus längeren Trockenperioden und intensiveren Niederschlägen verändert sich der Wasserhaushalt. 

 

Der Klimawandel sorgt für veränderte Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft.

 

Neue Herausforderungen. All diese Veränderungen wirken sich direkt auf die Landwirtschaft aus. Denn die Bäuerinnen und Bauern sind bei ihrer Arbeit stark vom Klima abhängig: Es beeinflusst die Produktion, das Pflanzenwachstum, Bodenprozesse und die Wasserverfügbarkeit. So kann es zu Trockenstress bei Pflanzen kommen, das heißt verlangsamtes Wachstum führt zu geringeren Erträgen. Im schlimmsten Fall können Ernten sogar ganz ausfallen.

 

Regionale Unterschiede. Wirft man einen Blick auf Niederösterreich, zeigen sich hier unterschiedliche Ausgangsbedingungen bzw. Herausforderungen. Die Regionen im Osten und Nordosten, etwa das Marchfeld und Teile des Weinviertels, zählen zu den trockensten Gebieten Österreichs. Zusätzlich zu steigenden Temperaturen und längeren Trockenperioden sind hier schon heute Wasserverfügbarkeit und Bodenfeuchte begrenzende Faktoren in der Landwirtschaft. Im Most- und Waldviertel sind die Niederschlagsmengen traditionell höher, aber auch hier kommt es durch den Temperaturanstieg und veränderte Niederschlagsmuster zu Veränderungen im Wasserhaushalt. Die teils intensiven Niederschläge führen zu Problemen wie Bodenerosion und beeinträchtigen die Aufnahmefähigkeit des Bodens.

 

Apropos Boden. Der Boden dient nicht nur zum Anbau der Pflanzen und landwirtschaftlichen Kulturen, sondern erfüllt auch wichtige ökologische Funktionen. Ein gesunder, fruchtbarer Boden nimmt Wasser auf, speichert, filtert und stellt es den Pflanzen bei Bedarf zur Verfügung. Er ist zudem Lebensraum unzähliger Organismen und trägt maßgeblich zur Stabilität von Ökosystemen bei. Wie gut er seine Funktionen erfüllen kann, hängt von seiner Struktur, dem Humusgehalt und der biologischen Aktivität im Boden ab. Klimaveränderungen, wie längere Trockenperioden oder Starkniederschläge, sind hier problematisch, denn die Fähigkeit des Bodens Wasser zu speichern und zu regulieren, ist essenziell für die Produktion. Der Wasserhaushalt insgesamt ist eng mit der Landwirtschaft verbunden – und sauberes Wasser sowie gesunde Böden sind die Basis für stabile Ökosysteme.

 

Landwirtinnen und Landwirte auf regional gezüchtete und angepasste Sorten.

 

Neue Kulturpflanzen. Neben den traditionellen Einflüssen wie Witterung, Niederschlag, Bodengüte und Fruchtfolge, können sich Landwirtinnen und Landwirte bei der Sortenwahl an Klimaveränderungen anpassen. Wie schon erwähnt reagieren Pflanzen empfindlich

Schon heute setzen auf Wasserstress, besonders in bestimmten Entwicklungsphasen. Hitzeperioden können Wachstum und Ertragsbildung beeinträchtigen, während Wasserdefizite die Nährstoffaufnahme erschweren. Zu allem Überfluss tragen die veränderten Klimabedingungen dazu bei, dass sich Schädlinge und Krankheiten rascher ausbreiten. Schon heute setzen Landwirtinnen und Landwirte auf regional gezüchtete und angepasste Sorten. Österreich zählt mittlerweile auch zu den größten Soja-Produzenten Europas. Soja ist eine wärmeliebende Pflanze, die früher eher in südlichen Regionen angebaut wurde – durch die Klimaveränderungen mit längeren Vegetationsperioden und wärmeren Sommern ist der Anbau nun auch in (Nieder-)Österreich möglich. 2012 wurde die Organisation Donau-Soja gegründet, deren Ziel der Aufbau einer nachhaltigen, gentechnikfreien Soja-Produktion in Europa – vor allem im Donauraum – ist. Niederösterreich zählt sogar zu den wichtigsten Anbaugebieten: Im Tullnerfeld, im Weinviertel und entlang der Donau wird Soja angebaut.

 

Eine stabile Landwirtschaft ist essenziell, um die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen.

 

Lebensmittelproduktion. Die Arbeit der Bäuerinnen und Bauern ist die Grundlage für unser aller Überleben. Denn sie versorgen uns mit Lebensmitteln. Die Ernährungssicherheit hängt unmittelbar mit der Funktionsfähigkeit der landwirtschaftlichen Produktion zusammen. Um die Versorgung mit Lebensmitteln langfristig sicherzustellen, ist es also notwendig, natürliche Ressourcen wie Boden und Wasser durch eine klimafreundliche Wirtschaftsweise nachhaltig zu erhalten. Landwirtschaftliche Flächen sind nicht nur Produktionsräume, sondern gewichtige Teile unserer Ökosysteme, Landwirtschaft und Umwelt sind eng miteinander verbunden.

 

Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist möglich – nicht nur in der Landwirtschaft.

 

Bereits gut angepasst? Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Lösungsansätze: Dazu zählt unter anderem die multifunktionale Nutzung landwirtschaftlicher Flächen, beispielsweise durch sogenannte Agrar-Photovoltaik (Agri-PV). Dabei werden PV-Anlagen so in landwirtschaftliche Flächen integriert, dass Pflanzenanbau und/oder Tierhaltung weiterhin möglich sind. So können die PV-Anlagen nicht nur erneuerbare Energie produzieren, sondern auch noch einen zusätzlichen Nutzen haben, wie zum Beispiel den Schutz der Pflanzen und Tiere vor zu intensiver Sonneneinstrahlung oder Extremwetter.

 

Anpassung auf vielen Ebenen. Auch landschaftsökologische Elemente, wie etwa das Setzen von Hecken, gewinnen an Bedeutung. Sie bremsen den Wind, reduzieren Erosion und schützen den fruchtbaren Oberboden. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, Wasser länger im Boden zu halten und bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Beim Umgang mit Wasser wird auf eine effizientere Bewässerung und gezielteres Wassermanagement gesetzt. Technologische Entwicklungen spielen dabei eine gewichtige Rolle: Digitale Anwendungen und Sensoren ermöglichen eine präzise Steuerung von Bewässerung und Düngung. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz wird hier immer stärker. Neben den technischen Lösungen werden auch vermehrt der Pflanzenanbau selbst bzw. Fruchtfolgen verändert, um die Folgen der Klimaerwärmung abzufedern. Hier sieht man, auf wie vielen unterschiedlichen Ebenen die Klimawandelanpassung in der Landwirtschaft stattfindet.

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Kann ich helfen? Wir als Konsumentinnen und Konsumenten können die Landwirtschaft unterstützen, indem wir verstärkt auf saisonale, regionale Produkte setzen. Wer auf Bauernmärkten, Ab-Hof oder in Regionalläden kauft, kann dort direkt mit den Produzentinnen/Produzenten in Kontakt treten. Auch die zuverlässige Abnahme von Ware – z. B. durch Gemüsekisten-Abos kann helfen. Zudem können wir durch mehr Vielfalt am Teller – also zum Beispiel durch das Probieren von „neuen, alten Sorten“ oder das Erstehen von „Ware mit optischen Abweichungen“ – z. B. krumme Gurken – die heimische Landwirtschaft stärken. Je nach Wetter kann es der Fall sein, dass es gewisse Produkte nicht oder nicht in ausreichender Menge gibt – es liegt an uns Konsumentinnen/Konsumenten das auch zu akzeptieren und flexibel zu reagieren. Außerdem wäre da noch die Bereitschaft faire Preise zu bezahlen zu nennen. Denn das Umsetzen von Klimawandelanpassungsmaßnahmen ist häufig mit Investitionen verbunden – die sich meist erst nach mehreren Jahren rechnen – ein Punkt, der uns klar sein muss.

 

Silvia Osterkorn-Lederer, Redaktion

 

Wasser im Klimawandel

Aktuell führt Österreich die bislang umfangreichste Untersuchung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt durch, initiiert vom Bundesministerium für Land-, Forst-, Wasser- und Klimapolitik. Im Rahmen von „Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ werden detaillierte Wasserszenarien bis zum Jahr 2100 erstellt. Sie ist die solide Datengrundlage, um die Auswirkungen des Klimawandels durch veränderte Niederschlags- und Temperaturmuster auf Flüsse, Seen, Grundwasser und Wasserverfügbarkeit zu bewerten. Erste vorläufige Ergebnisse zeigen, dass es zu saisonalen Verschiebungen der Niederschläge kommt: Im Sommer nehmen sie ab und im Winter nehmen sie zu – während die Jahresniederschlagssumme eher stabil bleibt. Auch die Verdunstung nimmt zu, aufgrund höherer Temperaturen – in der warmen Jahreszeit kann es zu einer effektiven Verringerung der Wassermenge kommen. Die Studie wird Ende 2026 abgeschlossen. Ihre Ergebnisse liefern die Basis zur Erstellung von Anpassungs- und Schutzstrategien in Wasserwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Raumplanung.

 
 

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