Die Sehnsucht, unberührte Natur zu erleben und zugleich ihre Schönheit und Ursprünglichkeit zu bewahren, verleiht der Nationalparkidee auch in Österreich zunehmend Auftrieb. In Niederösterreich laufen derzeit Vorarbeiten für die Errichtung der Nationalparks Donau-Auen und Thayatal.
Ein Nationalpark zeichnet sich durch große Artenvielfalt aus, seine Ökosysteme sind naturbelassen und stehen unter besonderem Schutz, und Besucher finden in ihm Bildung und Erholung.
Um den Nationalparkgedanken der Jugend näherzubringen, wurde von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll im Sommer 1992 ein landesweiter Mal- und Fotowettbewerb für Schüler und Schülerinnen ausgeschrieben.
Jugend pro Nationalpark
Eine vom Land Niederösterreich beauftragte Studie zum Thema Umwelt ergab, daß den Jugendlichen die Realisierung eines Nationalparks in den Donau-Auen sehr wichtig ist. Die Vielzahl an Einreichungen bestätigte das große Interesse an der Nationalparkidee: Fast 1000 Werke wurden bis Ende Oktober eingesandt.
Eine prominent besetzte Fachjury von Künstlern, Pädagogen, Ökologen, Nationalparkplanern und Vertreter der Sponsoren ermittelte 40 Preisträger, die Ende November 1992 in einer Feier im Sitzungssaal des NÖ Landtags geehrt wurden.
Doppelseite der Ausgabe von 1993.
Stolze Gewinner
Unterteilt in drei Altersstufen wurden jeweils fünf Preisträger in den Bereichen Malerei und Fotografie ermittelt; Gruppenarbeiten wurden gesondert bewertet. Zwei Gewinner bekamen wunderschöne Fahrräder; andere erhielten Fotokameras, Feldstecher und weitere wertvolle Geschenke. Einige der prämierten Darstellungen sind auf dieser Seite abgebildet. Natürlich gab es viel mehr Werke, die einen Preis verdient hätten – die Entscheidung fiel den Preisrichtern nicht gerade leicht. So wurden einige Trostpreise vergeben und jedem Teil-nehmer des Wettbewerbes eine Ehrenurkunde ausgestellt.
Warum brauchen wir einen Nationalpark? Wie soll ein Nationalpark aussehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich alle Teilnehmer des Wettbewerbs beschäftigt. Eine elfjährige Preisträgerin stellt ihr Motiv zur Teilnahme so dar: „Ich wollte eine Idee herzeigen, wie die Natur in einem Nationalpark aussehen könnte: eine Welt ohne stinkende Abgase und schmutzige Fabriken! Im Nationalpark finden bedrohte Tiere einen Unterschlupf. Dort gibt es auch große Wälder, die viel Sauerstoff produzieren. Durch den Nationalpark wird dafür gesorgt, daß uns eine schöne Welt erhalten bleibt.“
Eine andere Teilnehmerin glaubt, daß der Nationalpark für mehr Ordnung sorgen wird: „Dann werden alle Flaschen und der Abfall aus der Au entfernt werden“. Sie geht gerne in der Au spazieren, besonders beeindruckend findet sie stille Augewässer wie Tümpel und Altarme.
Rasche Realisierung
Landeshauptmann Pröll betonte in seiner Festrede, daß der Wunsch der Jugend nach einem Nationalpark in Niederösterreich bald in Erfüllung gehen soll:
„Ich werde alles daran setzen, daß die beiden Nationalparks Donau-Auen und Thayatal rasch verwirklicht werden. Ich lege aber auch größten Wert darauf, daß alle Entscheidungen und Planungen im Einvernehmen mit den betroffenen Bürgern und ganz besonders mit den jungen Mitbürgern erfolgen.“
Der Mal- und Fotowettbewerb wurde im Wesentlichen von der Nationalparkplanung der Betriebsgesellschaft Marchfeldkanal durchgeführt, einen ebenso wichtigen Beitrag für den Erfolg der Aktion leisteten die Lehrer: Ihr Engagement spornte die Schüler zu Höchstleistungen an.
In ihrer Dankesrede anläßlich der Siegerehrung unterstrich Volksschullehrerin Elke Wimmer, daß der Wettbewerb auch für die Lehrer durch das Naturerlebnis der Kinder eine Bereicherung gebracht habe: Während eines Ausflugs in die Au wurden Motive für Fotos und Bilder gesucht, die Kinder konnten die Stille und Schönheit der Au ganz besonders bewußt erleben.
Direktor Reinhold Christian, Leiter der Nationalparkplanung, hofft nun, daß die Nationalparkprojekte Donau-Auen und Thayatal nicht nur bei der Jugend, sondern bei der gesamten Bevölkerung der betroffenen Regionen so viel Zuspruch finden: „Ein Nationalpark ist die höchste Schutzkategorie. Damit werden besonders schöne, besonders seltene Landschaften geschützt. Für die Region und ihre Menschen ist das eine Auszeichnung, die nur wenigen zuteil werden kann.“
Die Vorarbeiten sowohl für den Nationalpark Donau-Auen als auch für den Nationalpark Thayatal befinden sich in der Endphase. Noch im Sommer sollen die zuständigen Politiker entscheiden, ob und wie die Projekte in die Tat umgesetzt werden.
Mag. Barbara Grabner, Nationalparkplanung Donau-Auen
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